8 Tage Urlaub, 4 Arbeitstage: Extreme Kälte bei der Ankunft in Addis Abeba. Die Stadt liegt auf 2400 m. Eine Abkühlung auf 5 Grad in der Nacht habe ich in Äthiopien nicht erwartet und war laut Einheimischen auch unüblich. Die Innenräume waren teilweise so kalt wie es außen war. Daher: Dauerverkühlung während des gesamten Aufenthaltes. Abhilfe: Winterjacke, Pullis, 2 Daunendecken, Heizstrahler ab Tag 3. Vom ersten Moment an faszinierte mich die Hauptstadt Äthiopiens. Hier einige Bereiche, die mir auffielen:
Verkehrsberuhigung
Breite Straßen mit Grünstreifen, Geh- und Radwegen sowie Blumenbeeten ziehen sich durch die Großstadt. Viele Menschen sind zu Fuß unterwegs, die Radwege werden erst spärlich benutzt. Das Projekt fünf „Korridore“ wird leider begleitet von negativen Auswirkungen wie dem Entfernen von Lehmbauten und Wellblechsiedlungen, dem Zerreißen von Gemeinschaften, der raschen Vertreibung alteingesessener Familien mit unzureichender Kompensation und Vorbereitungszeit. Weiters war für mich auffällig: praktisch keine Zigaretten im öffentlichen Raum. Beliebt sei es, den aufputschenden Chat zu kauen.

Großzügige Freiflächen
Die zahlreichen Parks , z. B. der Unity Park, Friendship Park, bald der Arada Park bieten Erholungsgebiete mit Spiel- und Sportmöglichkeiten. Der Wermutstropfen: überall ist Eintritt zu bezahlen. Meiner Meinung nach unfair gegenüber Einheimischen, die dafür bereits Steuerleistungen erbringen.

Geschichte und Moderne
Die historischen Gebäude wurden liebevoll renoviert wie das Palace Museum, der Grande Palace Menlik II. Haile Selassi, der letzte Kaiser mit langer Regierungszeit wird sehr verehrt. Daneben sind viele architektonisch interessante Gebäude wie die Abrehot Library oder moderne Hochhäuser mit verschwenderisch anmutender Nachtbeleuchtung („Glitzertürme“) zu sehen.

E-Mobilität in Äthiopien
Überrascht war ich von der aufstrebenden E-Mobility bei Bussen und Taxis. Das Aufladen eines Kleinwagens ist spottbillig (100 Birr = EUR 0,54). Ebenso bemerkenswert fand ich die Sauberkeit im öffentlichen Raum. Kein Müll auf den Straßen.

Bauliche Großprojekte
Die geplanten milliardenschweren Großprojekte mit eher intransparenter Finanzierung, z. B.
- der Flughafen Bishoftu (geplante Fertigstellung 2030)
- das Chaka-Regierungsviertel bzw. eine Satellitenstadt anstelle des Stadtwaldes am Yuka-Hügel
- der 2025 fertiggestellte Staudamm „Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD)“

Glauben im Alltag
Die umfassende Spiritualität der Bevölkerung bzw. die vielen Konfessionen, die friedlich nebeneinander bestehen: der orthodoxe Glauben mit althergebrachten Ritualen, großer Frömmigkeit und riesigen Zusammenkünften wie zu Weihnachten (7.1.26, Genna oder 19.1.26, Ephany) in Lalibela oder Addis Abeba (600.000 Menschen, weiß angezogen mit Kerzen am Meskel Square).

Injara mit vielen Beilagen
Die lokalen Gerichte mit Berbere, dem Nationalgewürz, scharfen grünen Peperoni, Injara als tägliche Beilage (säuerlich schmeckende Fladen/Palatschinken aus Teffmehl). Besonders beliebt: Doro Wat, ein Hühnereintopf mit gekochten Eiern. Alternativen: Burger, Wraps, Pizza. Viele Speisekarten beinhalten Gerichte ohne Milchprodukte und Fleisch, denn an 2/3 des Jahres fasten viele Einheimische.

Weiße Kleidung
Die luftige Kleidung aus handgewobenen Stoffen oder weißen Stoffen mit Stickereien sind sehr verbreitet. Eingekauft werden kann diese z. B. am Shromeda Markt mit seiner großen Halle und engen Gängen, den kleinen Boutiquen und einigen Marktständen.

Amharisch
Die vorherrschende Sprache in Addis Abeba ist Amharisch, eine Silbensprache mit ca. 270 Zeichen. Nur wenige sprechen fließend Englisch. Mangels Sprachkenntnisse kommen manche Sätze unhöflich rüber, z. B. beim Eintritt: „give me money“, „Powerbank not allowed“ … Bei etwas Beziehungsaufbau durchwegs sehr freundliche Begegnungen.

Freundliche Begegnungen
Respektvoller Abstand. Bis auf zwei ungute Begegnungen traf ich nur nette Menschen. Mein Aufenthalt war in Ayat und Arada/4 Kilo. Ich fühlte mich auch ohne Begleitung sicher, mied aber dunkle Straßen oder belebte Viertel und wurde – außer von bettelnden Straßenkindern – in Ruhe gelassen. Kein Daueransprechen von Männern wie z. B. in Gambia. Ich besuchte keine ärmeren Stadtviertel bzw. Slums, die es auch gibt.

Fazit
Leicht bereisbare Stadt, wirkt eher europäisch